Beautiful view of Lanzarote coastline with clear blue ocean and distant mountains under a blue sky.

Verzicht heißt nicht aufgeben. Es heißt: loslassen was nie meins war.

Meditation

Als ich 2019 beschlossen habe nach Teneriffa zu ziehen, haben viele gefragt: Worauf verzichtest du denn nicht alles? Die Karriere. Das Netzwerk. Die Schweizer Bequemlichkeit.

Ich habe lange überlegt wie ich antworten soll. Am Ende sagte ich: Ich weiß nicht ob das Verzicht ist.

Sie haben mich nicht verstanden. Ich mich selbst damals auch noch nicht ganz.

Exegese

Verzicht hat in unserer Kultur einen schweren Beigeschmack. Er riecht nach Askese, nach Selbstbestrafung, nach dem Gegenteil von Leben. Wer verzichtet, verliert etwas. So denken wir.

Ich denke das nicht mehr.

Verzicht heißt nicht Dinge aufgeben. Es heißt akzeptieren, dass sie kommen und gehen. Dass ich nie wirklich Besitzer war. Des Jobs, der Stadt, der Rolle, des Zustands. Ich war Benutzer auf Zeit. Gast.

Das klingt ernüchternd. Ist es zunächst auch. Aber dann kommt etwas anderes: Leichtigkeit. Wenn ich nicht mehr besitze, muss ich nicht mehr schützen. Wenn ich nicht schützen muss, kann ich atmen.

Jaspers nennt das die Freiheit in der Grenzsituation. Nicht trotz der Endlichkeit, sondern durch sie. Weil alles endlich ist, ist der Moment jetzt vollständig. Nicht Vorstufe zu etwas. Nicht zu verteidigen gegen später. Jetzt.

Der echte Verzicht ist nicht der auf die Schweizer Wohnung oder den Beraterjob. Der echte Verzicht ist der auf die Illusion, dass ich Dinge dauerhaft haben könnte. Das ist schwerer. Und befreiender.

Irene hat in Münsterschwarzach gelernt: Armut im Sinne der kontemplativen Tradition bedeutet nicht wenig haben. Es bedeutet nicht festhalten.

Worauf glaubst du zu verzichten – und was, wenn das nie wirklich deins war?

Foto: Miguel Rivera / Pexels

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