Breathtaking view of waves crashing along Tenerife's rugged coastline in the Canary Islands.

Das Glücksgefühl geht. Das war immer so. Verabschiede es.

Meditation

Ich erinnere mich an einen Urlaub in den Pyrenäen, Jahre vor Teneriffa. Zwei Wochen vollkommen raus. Berge, Stille, kein Telefon. Am letzten Tag saß ich auf einer Wiese und dachte: So muss es immer sein.

Drei Tage zurück in Genf merkte ich, dass mich die Erinnerung quälte. Nicht das Vergangene selbst. Die Anhaftung daran.

Die Seele hatte sich nicht verändert. Ich hatte mich geweigert weiterzugehen.

Exegese

Das Glücksgefühl ist eine Welle. Es kommt, es trägt, es geht. Das ist kein Fehler des Glücks. Das ist seine Natur.

Das Problem entsteht nicht wenn das Gefühl geht. Es entsteht wenn ich mich weigere es gehen zu lassen. Wenn ich anfange es festzuhalten, zu reproduzieren, zu suchen. Dann verwandle ich Glück in Nostalgie. Und Nostalgie ist eine sehr müde Form des Lebens.

Ich kenne das aus mir. Nach einem besonders guten Seminar, nach einem Moment der Klarheit, nach einem Abend der einfach stimmte. Da ist dieser Impuls: Wie mache ich das wieder? Wie halte ich das fest?

Falsche Frage. Die richtige ist: Was ist jetzt?

Alle Gefühle kommen und gehen. Das Glücksgefühl, die Trauer, die Begeisterung, der Widerwille. Sie sind Erscheinungen. Keine Urteile. Wer sie bewertet, gerät in die Maschinerie: dieses halten, jenes wegdrücken, alles bewerten. Das kostet enorme Kraft und bringt nichts außer mehr Bewertung.

Den Abschied vom Glück üben heißt nicht gleichgültig werden. Es heißt: das Glück wirklich genießen solange es da ist, ohne es zu besitzen. Und wenn es geht, ihm nachschauen wie einem guten Gast. Ohne Bitterkeit.

Irene sagt: Wer dem Glück zu sehr nachläuft, überholt es.

Welches vergangene Glück hältst du noch fest – und was würde passieren wenn du ihm wirklich Lebwohl sagst?

Foto: Atlantic Ambience / Pexels

Zur Diskussion

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert