Breathtaking view of Mount Teide, snow-capped and surrounded by lush pine forests under a clear blue sky.

Die Schwelle zeigt sich nicht an. Sie ist einfach da.

Meditation

Der Winter war lang.

Fundament, Stille, Bewusstheit, Angst, Grenzsituation, Nichts, Alleinsein, Vertrauen, zwölf Wochen, zwölf Türen. Keine davon führt ins Trockene. Alle führen weiter.

Das ist keine Enttäuschung. Das ist die Struktur.

Der Frühling kommt nicht weil man fertig ist. Er kommt weil die Zeit kommt.

Exegese

Ich mag das Bild der Schwelle.

Nicht weil es tröstlich ist. Es ist es nicht besonders. Sondern weil es ehrlich ist. Eine Schwelle ist weder drinnen noch draußen. Sie ist der Übergang selbst. Der Moment zwischen zwei Zuständen, zwei Jahreszeiten, zwei Versionen von sich.

Wir feiern Ankünfte. Wir feiern Abschiede. Die Schwelle selbst, den Übergang, das Dazwischen – übersehen wir meist. Wir wollen so schnell wie möglich durch.

Ich habe gelernt auf Schwellen zu verweilen.

Nicht aus Entscheidungslosigkeit. Sondern weil die Schwelle selbst etwas zeigt das weder der alte noch der neue Zustand zeigt. Sie zeigt die Bewegung. Das Unterwegs-Sein als Zustand der seine eigene Würde hat.

Jaspers beschreibt das philosophische Leben als ein permanentes Unterwegs. Nicht als Weg zu einem Ziel. Als Weg der das Ziel ist. Existenz die sich vollzieht, nicht die ankommt.

Das ist unbequem für einen der – wie ich – lange auf Ankünfte gewartet hat. Den nächsten Abschluss, die nächste Erkenntnis, den Moment in dem man endlich weiß wie es geht.

Er kommt nicht.

Was kommt ist Frühling. Neue Fragen. Neue Türen. Andere Themen – Erwachen, Öffnung, die Welt da draußen – aber dasselbe Fundament darunter.

Irene hat heute Morgen gefragt: Und, bist du jetzt schlauer als vor zwölf Wochen?

Ich habe gelacht. Nein. Aber ich frage besser.

Das reicht für den Frühling.

Was nimmst du mit aus diesem Winter in den Frühling?

Foto: Magic K / Pexels

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