Close-up of a colorful, textured rock surface with geological layers in Greece.

Alles was ich erdenke, ist schon wieder sekundär.

Meditation

Ich sitze manchmal und denke – und dann denke ich über das Denken nach. Und dann über das Nachdenken. Irgendwann merke ich: ich bin drei Stockwerke über dem, was eigentlich los ist.

Das Denken ist nicht das Problem. Das Vergessen dass es Denken ist – das ist das Problem.

Der Gedanke ist nie das Ding. Er ist das Bild vom Ding. Immer schon.

Exegese

Es gibt einen Moment – ich kenne ihn gut – in dem man glaubt eine Idee zu haben. Eine wirklich gute Idee. Klar, frisch, unmittelbar.

Und dann fängt man an sie zu beschreiben. Zu erklären. Zu rechtfertigen. Und während man das tut, merkt man: die Idee war schon weg bevor man den ersten Satz fertig hatte. Was man beschreibt ist die Erinnerung an die Idee. Das Bild vom Bild.

Das ist nicht tragisch. Es ist die Struktur der Sprache – und des Denkens überhaupt.

Jaspers hat das gewusst. Das Umgreifende lässt sich nicht denken – nur umkreisen. Jeder Gedanke über das Sein ist bereits nicht mehr das Sein. Er ist Zeigegeste. Mehr nicht.

Das klingt nach Niederlage. Für mich ist es Befreiung.

Wenn ich weiß dass jeder Gedanke sekundär ist – dann muss ich ihn nicht verteidigen. Nicht festhalten. Nicht beweisen. Er ist ein Versuch. Ein Näherungswert. Er darf falsch sein.

Ich habe viele Jahre Aphorismen geschrieben als ob sie Wahrheiten wären. Inzwischen schreibe ich sie als Gesten. Richtung etwas. Was das ist – das entscheidest du.

Irene sagt: Du redest zu viel wenn du unsicher bist. Ich sage: Stimmt. Deshalb schreibe ich Aphorismen.

Was denkst du gerade – und wie viel davon ist wirklich deins?

Foto:  Atypeek Dgn / Pexels

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