Ich spiele das Spiel des Lebens. Oder spielt das Leben mit mir? Hm.
Meditation
Diese Frage habe ich mir vor Jahren gestellt – als Gedankenspiel. Dann hat sie aufgehört witzig zu sein.
Wer spielt hier eigentlich?
Der der glaubt zu spielen ist oft derjenige der am meisten gespielt wird. Das habe ich an mir beobachtet. Lange genug um es nicht mehr lustig zu finden – und dann wieder lustig genug um darüber lachen zu können.
Das Spiel läuft. Die Frage ist nur ob ich weiß dass es eines ist.
Exegese
Es gibt eine Lesart des Lebens als Spiel die ich ablehne – die zynische. Das Leben ist nur ein Spiel, also ist nichts ernst zu nehmen, also kann man alles machen.
Das ist nicht was ich meine.
Was ich meine ist etwas anderes: das Spiel als Metapher für die Leichtigkeit die entsteht wenn man weiß dass man mitspielen kann ohne sich mit der Rolle zu identifizieren. Der Schauspieler der weint – er weint wirklich, die Tränen sind echt. Aber er ist nicht die Figur. Er weiß dass es Theater ist. Und das macht ihn nicht weniger präsent – es macht ihn freier.
Jaspers nennt das die Distanz zur Situation bei gleichzeitiger vollständiger Anwesenheit in ihr. Eine der schwierigsten Haltungen die ich kenne.
Ich bin nicht immer gut darin. Es gibt Tage an denen das Spiel mich hat – nicht ich das Spiel. An denen ich so in der Rolle bin dass ich vergesse dass es eine ist. Vater, Denker, Erklärer, derjenige-der-immer-weiss-was-gemeint-ist.
Irene erkennt das sofort. Sie sagt nichts. Sie schaut mich nur an.
Das reicht.
Das Spiel ist nicht das Problem. Das Vergessen dass es eines ist – das ist das Problem. Dasselbe gilt übrigens für den Ernst.
Spielst du gerade – oder wirst du gespielt?
Foto: Marek Piwnicki / Pexels