Alle Aphorismen
Wöchentlich ein neuer Aphorismus von Benoît Schneider-Hurz. Mit Meditation und Exegese. Zur offenen Diskussion eingeladen.
- Ich verfehle das Sein mit jedem Gedanken. Und trotzdem bin ich es.
Meditation Ich habe versucht das Sein zu verstehen. Natürlich. Ich bin Philosoph, oder war es, je nachdem wen man fragt. Jedes Mal dasselbe: Ich denke „das Sein ist…“ – und schon ist es weg. Was bleibt ist ein Gedanke über das Sein. Eine Vorstellung. Ein Konzept mit dem ich zufrieden bin für ungefähr eine Woche…. - Angst ist ein Gefühl. Punkt. Einatmen. Ausatmen.
Angst ist ein Gefühl. Punkt. Einatmen. Ausatmen. - Die meisten schlafen. Nicht nachts – den ganzen Tag.
Meditation Ich fahre manchmal durch eine Landschaft und merke erst hinterher, dass ich sie nicht gesehen habe. Der Körper war da, die Augen offen. Aber ich war woanders, in einem Gespräch das noch nicht stattgefunden hat, in einem Problem das vielleicht nie kommt. Das ist Schlaf mit offenen Augen. Ich kenne das gut. Zu gut…. - Bewusstheit ist nicht Erleuchtung. Sie ist das unbequeme Licht das angeht.
Meditation Ich dachte lange, Bewusstheit sei etwas das man anstrebt. Ein Zustand. Irgendwo oben. Dann merkte ich: Bewusstheit ist meistens unangenehm. Sie zeigt mir was ich nicht sehen wollte. Den Mechanismus hinter meiner Großzügigkeit. Die Angst hinter meiner Ruhe. Das Muster das ich seit zwanzig Jahren wiederhole. Kein angenehmes Licht. Eher das Licht das angeht… - Stille ist nicht das Ende des Lärms. Sie war vorher.
Meditation Ich habe lange nach Stille gesucht. Andere Orte, weniger Termine, Meditation als Technik. Als ob Stille etwas wäre das man herstellt. Eines Abends, Garachico, das Meer unten, kein besonderer Abend, war sie einfach da. Nicht weil ich aufgehört hatte zu denken. Sondern weil ich bemerkte: sie war die ganze Zeit da gewesen. Unter dem… - Das Fundament schweigt. Deshalb hält es alles.
Das Fundament schweigt. Deshalb hält es alles.