Vertrauen ist nicht die Abwesenheit von Zweifel. Es ist die Entscheidung trotzdem.
Meditation
Ich zweifle viel. Das war lange ein Problem für mich. Ich dachte wer zweifelt vertraut nicht wirklich.
Falsch.
Vertrauen das keinen Zweifel kennt ist kein Vertrauen. Es ist Naivität. Oder Sturheit.
Echtes Vertrauen weiß um den Zweifel. Und entscheidet sich trotzdem. Nicht weil die Unsicherheit verschwunden ist, sondern weil etwas anderes größer ist.
Exegese
Vertrauen ist eines der missverstandensten Konzepte die ich kenne.
Es wird oft verstanden als Zustand: entweder man hat es oder nicht. Als ob es eine Eigenschaft wäre wie Augenfarbe. Unveränderlich, vorhanden oder abwesend.
Ich verstehe es anders: als Praxis. Als etwas das man immer wieder neu tut. Nicht einmal entscheidet und dann hat man es, sondern jeden Morgen wieder, in jedem Moment der Unsicherheit, in jeder Situation die nicht kontrollierbar ist.
Jaspers verbindet Vertrauen mit dem was er den philosophischen Glauben nennt. Nicht religiösen Glauben im dogmatischen Sinne, sondern eine grundlegende Haltung des Ja zum Sein. Ein Ja das nicht auf Gewissheit wartet. Das sich nicht absichert bevor es sich öffnet.
Das ist schwer. Besonders für jemanden wie mich der jahrelang in der Philosophie zuhause war. Einem Feld das vom Zweifeln lebt. Ich bin gut im Zweifeln. Vertrauen musste ich lernen.
Ich habe es von Irene gelernt. Nicht durch Erklärungen – durch Beobachtung. Sie vertraut anders als ich denke. Nicht blind, nicht naiv. Aber sie wartet nicht auf Garantien. Sie geht.
Das hat mich mehr gelehrt als drei Semester Erkenntnistheorie.
Alles funktioniert auf Dauer nur im tiefen Vertrauen in sich selbst, in die eigene wahre Natur. Nicht in die Konstruktion die man für sich hält. In das was darunter ist.
Das Fundament. Wieder.
Es geht immer wieder dahin zurück.
Wo vertraust du dir selbst und wo wartest du noch auf eine Garantie die nicht kommt?
Foto: Diego Girón / Pexels